Pressemitteilungen

SES-Initiative VerA zur Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen begeistert Auszubildende in Frankreich – französische Senior-Experten-Organisationen diskutieren Einführung

Paris/Bonn. „Wir werden gerne Botschafter der Initiative VerA hier in Frankreich“. Dieses Fazit zogen zwei französische Auszubildende, die an einer Konferenz des MYDI-Projekts zur Förderung junger benachteiligter Menschen im IESF in Paris teilgenommen hatten.

Veranstalter der Konferenz vom 14. bis 16. Februar 2018 waren die französischen Senior-Experten-Organisationen AGIR, ECTI und OTECI. Zwei französische Auszubildende berichteten, dass sie an ihrem ersten Ausbildungsplatz gescheitert waren. Der Erfolg stellte sich erst im zweiten Anlauf ein – mit neuen Lehrern und Ausbildern.

In Deutschland haben junge Menschen, denen die Ausbildung Probleme bereitet, Zugang zur bundesweiten Initiative VerA, einem für sie kostenfreien Angebot des Senior Experten Service (SES), das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. VerA arbeitet mit ehrenamtlichen Fachleuten im Ruhestand nach dem sogenannten Tandem-Modell – einer 1:1-Begleitung für jeden Auszubildenden, der bei fachlichen oder auch privaten Sorgen Unterstützung wünscht.

„Jugendliche scheitern, weil sie isoliert sind und kein Netzwerk haben, das sich um sie individuell kümmert“, sagte Tristan Gillouard, Vertreter der Handelskammer von Paris, auf der MYDI-Konferenz. Hier könne ein Programm wie VerA helfen.

In Frankreich sorgt eine Abbruchquote von rund 20 Prozent dafür, dass viele Betriebe nur noch ungern ausbilden – ein Thema auch für die neue Regierung in Paris. Im Februar hat sie eine Reform des Berufsbildungssystems angekündigt. Es wird diskutiert, die betriebliche Ausbildung unter anderem mit der Übernahme der Ausbildungsgehälter zu fördern und die Industrie- und Handelskammern und Handwerkskammern stärker einzubeziehen.

Rita Petry, Geschäftsbereichsleiterin Berufsbildung an der Handwerkskammer der Pfalz, erklärte auf der Tagung in Paris die Grundzüge des deutschen dualen Berufsbildungssystems und die Rolle der Kammern. Auf großes Interesse stießen ihre Ausführungen dazu, dass Unternehmen in Deutschland die Ausbildungsvergütung selbst tragen. In Deutschland seien Ausbildungsbetriebe der Auffassung, dass es sich rechne, den eigenen Nachwuchs zu qualifizieren und dafür auch aufzukommen, so Petry.

Für ECTI-Präsident Etienne Hoepffner kam die MYDI-Tagung „zum perfekten Zeitpunkt“. Sie zeige, dass Jugendliche auf ihrem Weg in Richtung Beruf von der ehrenamtlichen Unterstützung und der Berufs- und Lebenserfahrung älterer Menschen sehr profitieren könnten. Bei ECTI jedenfalls stehe man bereit und biete seine Hilfe an.

Alle Teilnehmer der Konferenz waren sich einig: Probleme benachteiligter junger Menschen in ganz Europa sind vergleichbar. Es lohne sich, unterschiedliche Hilfsmodelle zu vergleichen und voneinander zu lernen. AGIR, ECTI, OTECI wollen nun darüber beraten, welche Aspekte der Initiative VerA zur Situation in Frankreich passen und übernommen werden können.

Über MYDI:

Hinter MYDI stehen die Senior-Experten-Organisationen aus Belgien (EXCHANGE), Deutschland (SES), Frankreich (AGIR, ECTI, OTECI), Finnland (NESTOR), Italien (ISES) und Österreich (ASEP), die europäische Konföderation dieser Organisationen (CESES) sowie die Comenius-Universität in Bratislava und die Stadt Helsinki.

Das Projekt wird vom Programm Erasmus+ der Europäischen Union kofinanziert. Weitere Informationen erhalten Sie von Gisela Lange: g.lange@ses-bonn.de